Mulchen – das Material

(leicht korrigierter Reprint aus 2006, erschienen auf gaertnerblog.de)

Als Material zum Mulchen kommen eigentlich alle pflanzlichen und wohldosiert auch tierische Materialien in Frage. Tierische “Abfälle” wie Schafwolle Horn, Eierschalen, Federn, Gräten und Knochen können in kleinen Mengen auch unter der Mulchdecke kompostiert werden. Was jemand bei den pflanzlichen Materialien als kranke Pflanzenteile einstuft, muss er eben weglassen. Dagegen kommen die sogenannten Unkräuter alle auf die Mulchdecke. Speziell die, die es durch die Mulchdecke geschafft haben. Meine wichtigste Regel heißt Vielfalt beim Material. Ein echter Mulchfan sieht in allem was seinen Weg kreuzt potenzielles Mulchmaterial, geht mir zu mindestens so. Einige Materialien möchte ich hier vorstellen und mit meinen Erfahrungen beschreiben.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Monika, die ebenfalls nach der Mulch Total-Methode gärtnert.

Der nächste Beitrag zeigt dann mehr Details zur Schichtdicke und dem Aufbau der Schichten. Hier also erst einmal Infos zu den Materialien:

Rasenschnitt

damit habe ich vor Jahren auch angefangen, ohne das mir der Begriff  Mulch total bekannt gewesen wäre. Das Hauptproblem beim Rasenschnitt ist die Deckkraft. Für eine brauchbare Mulchdecke ist der Halmdurchmesser zu gering. Daher wird er immer eine zu dichte Schicht bilden. Frisch verwendet beginnt eventuell auch schon eine Heißrotte. Die sollte meiner Meinung nach besser anders genutzt werden. Auch als Rasenheu wird das Problem so sein. Es scheint anfangs ganz nett auszusehen, aber mit dem ersten Regen oder Gießen rauscht die Schicht zusammen.

Meine Empfehlung: Mulchneulinge sollten mit dünnen Schichten (kleiner als 5cm mit frischen Schnitt, oder kleiner 10cm als Rasenheu) in einer geschlossenen Decke beginnen. Die Wirkung als Mulch lässt sich mit diesem Material schon erahnen. Die richtigen, funktionierenden Schichtdicken können mit Rasenschnitt nicht erreicht werden.
Ein weiterer Tip zur Verwendung von Rasenschnitt ist, ihn einfach dünn (1-2cm) auf die schon vorhandene Mulchdecke aufzustreuen. Dann trocknet er ganz sicher und verrottet dosiert nach und nach.

Wiesenschnitt

mein persönlicher Favorit was das Deckmaterial angeht. Ich verwende den Wiesenschnitt in allen Zusammensetzungen (Vielfalt). Also nichts ist verboten (Giersch, Disteln usw.)
Im Idealfall kommt Wiesenschnitt immer frisch zum Einsatz. Das hat den Vorteil, dass die unteren Schichten schnell in die Verrottung übergehen, die oberen Schichten trockenen zu Heu und die Regenwürmer wetzen die Messer… Hat man gerade keinen Bedarf an dem anfallenden Deckmaterial, aber die Chance Wiesenschnitt zu bekommen kann man ihn prima zwischenlagern. Ich habe immer einen oder mehrere Haufen aus Wiesenschnitt liegen. Dabei ist es absolute Zeitverschwendung in zu trocknen. Einfach bis zu 1m auf häufen und liegen lassen. Im Gegenteil die beginnende Verrottung ist positiv. Auch Schimmel stört nicht !

Scheint die Sonne, nehmen die Halme eine strohige Farbe an und schon hat man auch was für’s Auge. Den meisten gefällt das strohähnliche besser als die Farbe des frischen Schnittgutes. Wenn der frische Wiesenschnitt eine große Vielfalt an verschieden Pflanzen enthält, dann kann die Dicke der Schicht nicht groß genug gewählt werden. Durch Trocknung entsteht immer ein Schwund an Dicke. Ich kann guten Gewissens Schichtdicken bis zu 20cm empfehlen. Durch die dicken Halme gibt es kein Problem mit Luftabschluss, anders als beim Rasenschnitt. Einen Effekt des Mulchen in diesen Dicken sollte man nicht aus den Augen verlieren.

Der Mulch puffert die Niederschlagsmengen ab. D.h. es kommt viel weniger an, als auf dem nackten Boden. Man sollte also keine trockenen Flächen mulchen. Mindestens sollte man nach dem Aufbringen der Schicht dann kräftig wässern. Hier kommt der nächste Effekt des Heus ins Spiel. Beim Gießen braucht man sich um Veschlämmung des Bodens keine besonderen Gedanken machen. Die Halme brechen und zerteilen den Wasserstrahl.

drei Ebenen als Mulchdecke
drei Ebenen als Mulchdecke – Wiesenschnitt – Laub – grober Kompost

Den wichtigsten Grund, warum ich Wiesenschnitt bevorzuge, wenn er nicht gerade vom Straßenrand stammt, ist der in der Regel aus ökologischen Gesichtspunkten. Auch wenn er als Heu gekauft werden muss. Zur benötigten Menge kann ich folgendes sagen. Ich mähe meine Wiesen immer mit der Sense und da benötige ich ungefähr die 3 bis 4-fache Fläche an Wiese, verglichen mit der abzudeckenden Fläche. Hängt natürlich von der Art und Höhe der Gräser ab !

Beispiel: Aufbau eines neuen Beetes mit Laub, Kompost und einer Abdeckung aus frischem Wiesenschnitt. Gesamte Schichtdicke, frisch ca. 25cm. Am Ende ist alles mit Wiesenschnitt abgedeckt.

Heu

Für Heu gilt eigentlich das Gleiche wie für Wiesenschnitt. Nur die Verrottung von frischen Grashalmen entfällt. Daher sollte Heu immer in Kombination mit anderen Materialien unter dem Heu verwendet werden. Zum Einstieg geht auch Heu pur. Bei Heu besteht immer die Chance, billig an Mulchmaterial zu kommen. Denn alles was der Bauer oder Tierhalter nicht mehr will, weil nass, schimmelig oder sonst wie schlecht – bingo, genau das ist richtige für uns schlaue Gärtner.

Rote Johannisbeeren mit Heu im Herbst. Schichtdicke ca. 20cm
Rote Johannisbeeren mit Heu im Herbst. Schichtdicke ca. 20cm

Oft bekommt man solches Material mit einen mitleidigen Blick geschenkt. Also bloß nicht den Wert des Materials zu stark hervorheben, das verdirbt am Ende den Preis. Große Ballen wiegen aber leicht ein paar hundert Kilo, aber es lohnt sich danach Ausschau zu halten.
Eine Befürchtung, die ich fast immer von Skeptikern zuhören bekomme, kann ich gleich zerstreuen. Die Samen aus dem Heu kommen zwar auf das Beet, bei dauerhafter Bedeckung kommen die aber nicht nennenswert

Blumenbeet mit Heu im Herbst, im Frühjahr für die Osterglocken und später die Pfingstrosen kein Problem.
Blumenbeet mit Heu im Herbst, im Frühjahr für die Osterglocken und später die Pfingstrosen kein Problem.

zum Keimen. Und wenn, dann lassen sich die Pflanzen leicht entfernen. Ruhig erst ein bischen wachsen lassen. Wenn man richtig zugreifen kann, raus ziehen und daneben auf die Mulchdecke legen.

 

Stroh

Hier kann ich nicht mit eigenen Erfahrungen aufwarten. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht nach ÖKO Stroh Ausschau zu halten. Wenn man richtig mulcht, dann kommen schon ganz ansehnliche Mengen zusammen. Dann ist es für meinen Geschmack nicht unerheblich, was man sich so an Chemie einhandelt. Unter allen Materialien sieht Stroh wohl am angenehmsten / ordentlichsten aus…
Für Ordnungsfanatiker besteht die Möglichkeit das Stroh vor dem Ausbringen anzufeuchten und dann erst einmal mit Gartenerde auf einem Haufen braun werden zulassen. Dann fällt das den Nicht-Mulcher nicht so stark ins Auge. Eventuell können hier andere mehr berichten.

Zwischen den Stroharten (Weizen, Roggen, Hafer) soll es auch noch Unterschiede geben, wie gesagt keine Ahnung! Auch bei Stroh gilt das Gleiche wie bei Heu – immer in Kombination mit anderen, möglicht frischen Materialien anwenden. (z.B. Herbstlaub, grob gehackte Brennnesseln, Beinwell…)

Herbstlaub

Für mich das Gold des Winters für die Zersetzer unter der Mulchdecke. Ich habe einen großen Walnussbaum, angeblich ja das schrecklichste Laub überhaupt. Seit Jahren sammle ich das frisch fallende Laub mit dem Rasenmäher ein. Dabei wird es gleich klein gehackt. Und ich garantiere, im nächsten Herbst liegt nix mehr unter der Mulchdecke. Alle Sorten Laub behandle ich so. Dann kommt das Gehackte auf alle Beete und unter die Beerensträucher. Zuviel Laub kann ich nicht bekommen ! Die Schichtdicken sollten aber nicht über 10cm (trocken) oder 5cm (nass) liegen. Bei mir kommt über die Laubdecke immer eine Heuschicht von bis zu 20cm. Damit fliegt nichts weg, bleibt feucht und sieht ordentlich aus.

So, ich höre schon die Spötter: mit dem Rasenmäher klein hacken, ha…das will ein ökologisch Orientierter sein ! Ja es stimmt, das eine oder andere Tierchen kehrt dabei schneller als geplant ebenfalls in die Nahrungskette zurück. Daher habe ich absichtlich vom frisch gefallenen Laub gesprochen. Hier ist die Anzahl der Bewohner noch nicht so groß, für mich vertretbar. Ohne die Behandlung mit dem Rasenmäher oder schnelllaufenden Häcksler bildet das Laub eine dichte Schicht, die nur schlecht verrottet. Es entsteht auch ein Luftabschluss das ist schlecht. Das gehäckselte Laub wird lockerer und enthält viel mehr Angriffsfläche für die Zersetzer. In den Laubschichten sind auch im Winter fast immer Würmer aktiv mit der Verdauung beschäftigt.

Meine Nachbarn freuen sich schon auf den Spinner, der ihnen ihren „Gartenmüll“ abnimmt. Leider hat meine Art zu gärtnern sie nicht überzeugen können. Daher lasse ich sie in dem Glauben und bekomme dafür ein super Rohmaterial. Ich kann nur sagen, wer im Garten von Abfall spricht, der hat das Prinzip nicht kapiert!

Braune Pappe

Für Leute mit Zeit und Platz das optimale Erschließungshilfsmittel. Ich besorge mir aus dem Altpapiercontainer unserer Firma immer einen Stapel von Wellpappekartons. Diese skalpiere ich dann, also ich entferne alle Klebebänder und Folienreste. Dann werden sie aufgeschnitten und schon steht ein super Abdeckmaterial bereit. Ich decke noch zu erschließende Wiesenflächen damit dann ab. Steine oder Wegplatten als Auflage drauf, damit nichts wegfliegt. Dann einfach vergessen.

Zugegeben es sieht schon sehr merkwürdig aus, aber unter den Kartons bleichen alle Pflanzen aus und gehen ein. Nach einigen Wochen kann ich dann die Kartons umlagern und schon eine erste Packung mit Grünschnitt oder bloß eine dicke Heuschicht zur Abdeckung aufbringen. Mit noch weniger Arbeit kann man neue Flächen nicht erschließen. Die Kartons können aber auch bis über den Winter liegen bleiben. Für das Auge kann man die Kartonschicht auch noch mit Heu abdecken. Das entspannt das Verhältnis zum Nachbarn… Nach einem halben bis dreiviertel Jahr ist der Karton so mürbe, ich trenne ihn in kleinere Stück und lasse ihn liegen. Er kann aber auch in den Kompost zur Auflockerung. Aus diesem Grund habe ich Anfangs auch alle Klebestreifen entfernt. Die lassen sich jetzt nicht mehr einfach ablösen.

Geschreddertes

Aus dem eigenen Garten kommt dies immer als Zuschlag zum sonstigen Mulchmaterial. Ich verwende es aber eher als Zuschlag zum Kompostieren der Abfälle aus der Küche. Hier muss immer etwas Trockenes mit untergemischt werden. Große Mengen von der Gartenverwaltung sollten immer erst einmal vorverrottet werden. Holz allgemein hat eine sehr geringe Verrottungsgeschwindigkeit, ist was für Leute mit Zeit.

Rindenmulch

Taugt meiner Erfahrung nach nur was für Wege, Rosenbeete oder Baumscheiben. Rindenmulch besteht fast immer aus der Rinde von Nadelbäumen, ist damit sauer veranlagt und kostet unverhältnismäßig viel Geld. Ich nehme es nur in meiner Komposttoilette für den Herren. Ein Eimer mit Rindenmulch um mal schnell pinkeln

Rindenmulch für sauren Boden
Rindenmulch für sauren Boden

zu können. Die Säure der Rindenschnitzel puffern den Geruch des Urin sehr gut weg. Nachher kommt der Inhalt dann in den Kompost oder zur Heißrotte mit frischem Gras. Eine Spezialanwendung bei der die saure Wirkung genutzt werden kann ist dort denkbar, wo es für Pflanzen auf sauren Boden ankommt.

Küchenabfälle

Da kann ich wieder nicht so richtig mitreden. Bei uns kommen alle organischen Abfälle aus der Küche in geschlossene Kompostbehälter. Auch Essenreste, obwohl das wegen der Ratten nicht so sein soll.(sagen andere…) Ich habe hier noch keine Wanderratte gesehen und werde es daher weiter so machen. Wer keine Essenreste im Küchenabfall hat, kann diese Abfälle auch direkt unter einer Heu oder Strohdecke auf dem Beet kompostieren. Das soll sehr gut funktionieren. Die Anzahl Regenwürmer ist da der beste Indikator für einen funktionierenden Flächenkompost. Man sollte aber immer eine hohe Mulchschicht darüber liegen haben. Das garantiert genügend Feuchte und hält die Amseln von Wühlen ab.

Ernteabfälle

Wie schon weiter oben geschrieben. Alle Pflanzen die irgendwie gemäht werden müssen, oder aus sonst einem Grund an einer Stelle entfernt werden müssen, verwende ich meistens an Ort und Stelle zum Mulchen. Da wären z.B. Bohnen- und Erbsenstroh, Maisstängel, Kartoffelkraut, Rhabarberblättter, Kohlblätter, Tomatenkraut usw.. Alles sollte aber zerkleinert werden. Dazu kann ein scharfer Spaten oder eine Machete zum Einsatz kommen. Damit hackt man die Pflanzen an Ort und Stelle klein. Mit der langen Schneide der Machete geht das sehr schnell und da lohnt sich auch kein Häcksler oder Rasenmäher. Ganz ohne Strom oder Benzin! Aber bitte. Finger weg!!

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