Waldsstaudenroggen – ernten & dreschen

Eigentlich hatte ich nicht vor den Roggen bis zur Reife der Körner stehen zu lassen. Andererseits hat mich interessiert wie hoch der Waldsstaudenroggen denn wird. Und wie ich in dem Beitrag zur Höhe gezeigt habe, wird der verdammt hoch

Der nette Herr Sepp Holzer hat in einem seiner Bücher eine Ahnung von der Wuchshöhe vermittelt.
Und wenn der Waldsstaudenroggen dann schon so hoch gewachsen ist, dann kann man ja mal versuchen das Saatgut für die nächste Saison zu erzeugen, dachte ich mir.

Umfallverhütung

Kein Schreibfehler ! Während der Wachstumgsphase kann Regen dem Roggen nicht viel anhaben. Er wird zwar auch durch Wind und das Gewicht der Regentropfen umgedrückt. Mit dem Abtrocknen „steht er dann immer wieder auf“.
Wenn aber das Wachstum der Körner einsetzt klappt das mit den Aufrichten nicht mehr so richtig. Ich habe daher zur Umfallverhütung einfach Bündel aus Halmen gebildet.

Zum Binden kann man Halme des Waldsstaudenroggen selbst, oder aber eine einfache Schnur verwenden. Bilden die Bündel eine Art Zaun um das kleine Feld, dann fallen auch die innen stehenden Halme nicht mehr so leicht um.

Ernte ohne Mähdrescher

Ist natürlich ein Witz über den Mähdrescher nachzudenken, aber die Frage nach dem effektiven Abschneiden und Ausdreschen stellt sich schon. Allerdings gibt es tatsächlich kleine Mähdrescher für die Ernte von Saatgut !

Zusätzlich wollte ich die Halme als langes Stroh erhalten. Ich hatte ca. 20qm an verschiedenen Stellen abreifen lassen. Jetzt sollte die Ernte aber möglichst einfach erfolgen. Ahnungslos wie ich war habe ich Verschiedenes versucht. Das Abschneiden der Ähren wird durch die Umfallverhütung unterstützt. Mit einem Messer die Halme als Gruppe abknicken und schneiden. Astschere zum Abschneiden – geht auch ganz gut ist aber mit mehr Handbewegung als beim Messer verbunden. Abgeschnitten habe ich immer nur die obersten 20-30cm der Halme. Den Rest habe ich als Stroh stehen gelassen.

Dreschen aber wie ?

Mein erster Versuch war ausklopfen. So wie es das Wort „Dreschen“ schon historisch beschreibt. Ich habe die Ähren in einen Sack gesteckt und mit dem Plattstampfer Werkzeug  auf dem Sack herum gestampft.

Bilanz: Als Therapie vielleicht, oder wenn man wirklich nichts Besseres zu tun hat kann man diese Methode anwenden. Ich habe diese Version nach einem Versuch abgewählt.

Seit fast 20 Jahren steht ein Schredder in meinem Keller. Ein Erbstück aus einem anderen Garten. So ein Schnellläufer mit Messerscheibe.

Sehr unbeliebt, weil für seine Kernaufgabe denkbar schlecht geeignet (laut, dauernd Messer schleifen…) Aber für das Dreschen dachte ich mir, hat er eine Chance verdient.

 

Und siehe da, das Ergebnis ist begeisternd. Ich konnte keinen Bruch in den Körnern entdecken, eine Befürchtung die ich hatte. Die sehr gut abgetrockneten (!) Ähren mit Halm oben in den Trichter gesteckt und unten am Auswurf in einen Sack geblasen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Körnern und ausgefransten Halmen und Ähren. Zum Abtrennen der Körner ist Sieben und Wegblasen der Spelze angesagt. Hierfür muss ich mir in der nächsten Saison eine bessere technische Lösung einfallen lassen.

Im Ergebnis habe ich von ca. 20qm rund 5kg Körner geerntet. Die 5kg sind nach aktuellem Kilo-Preis 100€ wert. Auf Hobbyebene hat es sich also gelohnt.

Strohernte

Wenn man die Beetfläche nicht gleich braucht, würde ich heute empfehlen die Strohhalme einfach einen Monat (oder mehr) stehen zu lassen. Das hat meiner Ansicht nach mehrere Vorteile:

  • Die Halme werden durch Sonne, Feuchtigkeit und Mitesser schon mürbe gemacht. Nach einem Monat braucht man das Stroh nicht mehr mit der Sense zu mähen, man zieht die Halmgruppen einfach aus dem Boden.

  • Ein großer Teil der Wurzeln ist dann schon im Boden abgestorben und ist dort die Grundlage für Humusbildung. Der Rest des „Wurzelballen“ wird mit herausgezogen, abgeschnitten, plattgetreten und als Kompostzuschlag gelagert.
  • Das Stroh selbst lagere ich auch im Freien, möglichst alle Halme in eine Richtung. So kann man das Stroh bündelweise greifen und leicht weiterverarbeiten.

Nachwirkung

Wie schon zu Lebzeiten, so auch in der Phase als trockene Strohhalme auf der Fläche, verhindert der dichte Stand der Halme und der nicht bewegte Boden einen nennenswerten Aufwuchs von unbeliebten Pflanzen.

Nach dem Abräumen des Strohs sollte das Beet aber rasch wieder mit einer Pflanzendecken ausgestattet werden. Also Nutzpflanzen oder aber eine Mischung von Begrünungspflanzen (Senf, Wicke, Buchweizen, Ringelblume…) einfach alles was schnell Wurzeln und oberirdische Pflanzenmasse bildet. Wenn die Begrünungspflanzen auch noch die ganze Saison Blüten liefern, dann ist das perfekt.

Ziel muss es sein, jeden Boden ganzjährig mit lebenden Pflanzen zu bedecken. Nur so bleibt das Bodenleben aktiv und echte Bodengare kann bebildet werden.

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